Willst du mit mir wählen gehen?

Sozialkundelehrer der BBS Alzey bei Landtags-Veranstaltung mit Bloggern und "Mr. Wissen2go" zum Thema Mobilisierung von Jungwählern

Dass die Jung- und Erstwähler doch ein großes Interesse an Politik haben zeigte sich bei der Veranstaltung des Landtags Rheinland-Pfalz und der Bertelsmann-Stiftung mit Experten aus sozialen Netzwerken. Wie Politik im Unterricht verständlich und schmackhaft gemacht wird, wurde ebenfalls auch mit Schülern diskutiert.

Unter dem Titel „Willst du mit mir wählen gehen?“ veranstalteten der Landtag Rheinland-Pfalz und die Bertelsmann-Stiftung eine Veranstaltung zur Mobilisierung von Jungwählern. Neben dem fachlichen Austausch standen auch die Beobachtungen von Schülerinnen und Schülern zu diesem Thema im Fokus des Interesses.

Zunächst diskutierte Michael Brocker, welcher den Abend im Landtag moderierte, mit den Experten Hendrik Hering, Präsident des Landtags Rheinland-Pfalz, Christina Tillmann von der Bertelsmann Stiftung und Prof. Dr. Thorsten Faas von der  Freien Universität Berlin über die Bedeutung von jungen Menschen für eine funktionierende Demokratie. Die Diskutanten der Eröffnungsrunde kamen bereits früh zu der Erkenntnis, dass die herkömmlichen Formen der Politikvermittlung in Zeiten von Social Media und Co. nicht mehr zeitgemäß seien und Jung- und Erstwähler von den bisherigen Wahlkampfmethoden nicht mehr angesprochen werden könnten.

Ein möglicher Ansatzpunkt könnte die Einbeziehung der sozialen Medien und entsprechender Influencer sein. Die anwesenden Experten, Lisa Sophie alias ItsColeslaw, Bloggerin und YouTuberin und Mirko Drotschmann alias Mr. Wissen2go, Journalist und YouTuber, bestätigten die Ernsthaftigkeit mit der sich ihre Abonnenten im Internet mit politischen Themen auseinandersetzen, wenn diese ansprechend präsentiert werden. Alexander Sängerlaub, Autor und Projektleiter der Stiftung "Neue Verantwortung", einem neutralen Thinktank, konnte auch die Bedenken zerstreuen, Jugendliche seien in sozialen Netzwerken anfällig für Fake News. So seien diese sehr gut darin, Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Insgesamt sei jedoch die Schulung der Medienkompetenz ein wichtiger Aspekt und eine bedeutende Aufgabe für den Sozialkundeunterricht an Schulen.

Im dritten Teil der Veranstaltung hatten Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulformen die Möglichkeit, in Workshops erarbeitete Gedanken und Impulse zur Partizipation und Begeisterung für politische Teilhabe Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu präsentieren. Inhaltlich hoben sie hervor, welche Bedeutung der Lehrkraft für Sozialkunde bei der Begeisterung für politische Themen zukommt. Zudem äußerten sie das Bedürfnis, dem Sozialkundeunterricht im Lehrplan größeren Raum einzuräumen, um mehr Gelegenheiten für Diskussionen und aktuelle politische Themen zu schaffen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeigte sich aufgeschlossen, wies jedoch darauf hin, dass auch andere Fächer wie Geschichte und Erdkunde Raum für die genannten Wünsche der Schülerinnen und Schüler bieten könnten.

Im Anschluss der Veranstaltung hatten die Lehrkräfte noch die Gelegenheit zum Austausch mit Landtagspräsident Hendrik Hering, bei dem sie auch auf die besonderen Bedürfnisse der Berufsbildenden Schulen aufmerksam machen konnten.

 

Von Thomas Garzinsky